Bedrohte Kindheiten
Erste Begegnung
Erste Begegnung
Wenn sich die Projektmitarbeiter als pädagogische Forscher und Straßenpädagogen der für sie fremden Lebenssituation obdachloser Jugendlicher nähern, um Straßenkinder besser zu verstehen, werden sie sich in der Haltung und im Verhalten ähnlich wie Wissenschaftler bewegen, die der ethnographischen Methode verpflichtet sind (vgl. Hubert Knoblauch: Qualitative Religionsforschung, Paderborn u.a. 2003, S. 37). Ethnographische Forschung befruchtet die Straßenpädagogik, indem sie zur Teilnahme an der Lebenswelt Straße anleitet. Sie fördert das Verstehen der Handlungen von Straßenbewohnern und hilft, ihre Binnenperspektiven wahrzunehmen.
Voraussetzung einer zielgruppengerechten Straßenpädagogik ist die Wahrnehmung Anderer, die fremd und dennoch Teil der eigenen Gesellschaft sind. Straßenkinder gehören zu einer der zahlreichen Sonderkulturen, Subkulturen, Ghettos oder kulturellen Nischen, die für die modernen Gesellschaften der Welt typisch sind. Um diese mit der Mehrheitsgesellschaft einhergehenden Wirklichkeiten untersuchen zu können, muss man fähig sein, Anderes und Neues wahrzunehmen, von dem man wenig oder nichts weiß. Die Lebenswelt der Straßenbewohner liegt zwar in einem Bereich, der den Straßenpädagogen als "behausten" Menschen vertraut ist, und dennoch ist sie ihnen nicht wirklich bekannt.